Familienzulagen in der Schweiz: Was Arbeitgeber bei Anmeldung und Lohnabrechnung beachten müssen
Familienzulagen werden nicht automatisch ausbezahlt. Arbeitnehmende müssen ihren Anspruch anmelden, die Familienausgleichskasse entscheidet, und der Arbeitgeber verarbeitet die bewilligte Zulage korrekt im Lohnlauf. Besonders wichtig sind vollständige Unterlagen und die richtige Koordination, wenn beide Elternteile arbeiten.
Welche Familienzulagen gibt es?
Das Bundesgesetz über die Familienzulagen schafft den schweizweiten Rahmen. Die wichtigsten laufenden Leistungen sind:
- Kinderzulage: ab dem Geburtsmonat bis und mit dem Monat, in dem das Kind 16 Jahre alt wird; bei gesundheitlich bedingter Erwerbsunfähigkeit unter bestimmten Voraussetzungen bis 20.
- Ausbildungszulage: während einer nachobligatorischen Ausbildung, frühestens ab dem Monat des 15. Geburtstags und grundsätzlich längstens bis zum Ende des Monats, in dem das Kind 25 Jahre alt wird.
- Geburts- und Adoptionszulagen: einmalige Leistungen, sofern der zuständige Kanton sie vorsieht.
Beginnt eine nachobligatorische Ausbildung bereits vor dem 16. Geburtstag, ersetzt die Ausbildungszulage die Kinderzulage. Besucht das Kind nach dem 16. Geburtstag noch die obligatorische Schule, gelten besondere Übergangsregeln.
Wie hoch sind die Familienzulagen 2026?
Nach den aktuellen Angaben des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV betragen die schweizweiten Mindestansätze:
- CHF 215 pro Monat für die Kinderzulage,
- CHF 268 pro Monat für die Ausbildungszulage.
Die Kantone dürfen höhere Beträge festlegen. Im Kanton Bern gelten gemäss Ausgleichskasse des Kantons Bern seit dem 1. Januar 2025 CHF 250 Kinderzulage und CHF 310 Ausbildungszulage pro Monat. Für Mitarbeitende in anderen Kantonen muss der jeweils anwendbare kantonale Ansatz geprüft werden. Das BSV publiziert dafür eine offizielle Übersicht der Ansätze 2026.
Wer hat als Arbeitnehmer Anspruch?
Grundsätzlich können Arbeitnehmende mit Kindern Familienzulagen beanspruchen. Auch bei Teilzeitarbeit besteht Anspruch auf die volle Zulage, wenn der AHV-pflichtige Lohn mindestens CHF 630 pro Monat beziehungsweise CHF 7’560 pro Jahr erreicht. Diese aktuellen Grenzwerte nennt die Informationsstelle AHV/IV.
Bei mehreren Arbeitsverhältnissen werden die Einkommen für die Anspruchsprüfung zusammengerechnet. Zuständig ist grundsätzlich der Arbeitgeber, der den höchsten AHV-pflichtigen Lohn ausrichtet. Die definitive Beurteilung nimmt die zuständige Familienausgleichskasse vor.
Warum darf die Zulage nicht doppelt ausbezahlt werden?
Für jedes Kind darf nur eine volle Familienzulage ausgerichtet werden. Arbeiten beide Elternteile oder bestehen weitere mögliche Ansprüche, gilt eine gesetzliche Rangordnung. Vereinfacht wird geprüft:
- Wer ist erwerbstätig?
- Wer hat die elterliche Sorge?
- Bei gemeinsamer Sorge: Bei wem lebt das Kind überwiegend?
- Leben beide mit dem Kind zusammen: Wer arbeitet im Wohnsitzkanton des Kindes?
- Bleibt die Situation gleich: Wer erzielt das höhere AHV-pflichtige Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit?
Diese Reihenfolge darf der Arbeitgeber nicht frei vereinbaren. Angaben zur Tätigkeit des anderen Elternteils, zum Wohnkanton des Kindes und zur Betreuungssituation gehören deshalb in die Anspruchsabklärung.
Was ist eine Differenzzahlung?
Zahlt der Kanton der erstanspruchsberechtigten Person eine tiefere gesetzliche Zulage als der Kanton der zweitanspruchsberechtigten Person, kann letztere Anspruch auf die Differenz haben.
Beispiel: Der vorrangige Anspruch beträgt CHF 250, der anwendbare gesetzliche Ansatz beim zweiten Elternteil CHF 280. Dann kann eine Differenzzahlung von CHF 30 entstehen. Massgebend sind die gesetzlichen kantonalen Ansätze und die konkrete Anspruchsordnung – nicht ein freiwillig höherer Betrag des Arbeitgebers.
Wie läuft die Anmeldung über den Arbeitgeber?
Arbeitnehmende stellen den Antrag in der Regel beim Arbeitgeber. Dieser leitet ihn mit den erforderlichen Belegen an seine Familienausgleichskasse weiter. Die Kasse prüft den Anspruch und erlässt eine Mitteilung oder Verfügung. Erst diese Grundlage sollte in der Lohnbuchhaltung dauerhaft erfasst werden.
Je nach Familien- und Ausbildungssituation werden typischerweise benötigt:
- vollständig ausgefülltes Antragsformular,
- Angaben zu Kind, Eltern und Wohnsitz,
- Nachweis der elterlichen Sorge oder Betreuung, sofern erforderlich,
- Angaben zur Erwerbstätigkeit des anderen Elternteils,
- Ausbildungsbestätigung für Jugendliche und junge Erwachsene,
- zusätzliche Unterlagen bei Kindern mit Wohnsitz im Ausland.
Fehlende Belege verzögern den Entscheid. Der Arbeitgeber sollte deshalb prüfen, ob das Dossier vollständig ist, ohne den Anspruch selbst abschliessend zu beurteilen.
Wie werden Familienzulagen in der Lohnabrechnung verarbeitet?
Nach der Bewilligung zahlt der Arbeitgeber die Familienzulage in der Regel zusammen mit dem Lohn aus. Die Familienausgleichskasse verrechnet die ausbezahlten Zulagen mit den geschuldeten Beiträgen.
Für einen nachvollziehbaren Lohnlauf sollten Arbeitgeber:
- Beginn, Art und monatlichen Betrag gemäss Kassenentscheid erfassen.
- Die Zulage separat auf der Lohnabrechnung ausweisen.
- Ein- und Austritte sowie untermonatige Anspruchsänderungen korrekt periodisieren.
- Auszahlungen mit der Abrechnung der Familienausgleichskasse abstimmen.
- Enddaten von Ausbildungsbestätigungen als Kontrolltermin hinterlegen.
- Rückwirkende Bewilligungen und Korrekturen transparent dokumentieren.
Ein Arbeitgeber darf die Zulage nicht allein aufgrund einer mündlichen Meldung dauerhaft auszahlen. Umgekehrt sollte eine bewilligte Leistung nicht im Lohnlauf fehlen, nur weil die interne Information zu spät weitergeleitet wurde.
Welche Änderungen müssen Mitarbeitende melden?
Änderungen, die Anspruch, Rangordnung oder Höhe beeinflussen, müssen dem Arbeitgeber beziehungsweise der Familienausgleichskasse unaufgefordert gemeldet werden. Dazu gehören insbesondere:
- Geburt oder Tod eines Kindes,
- Beginn, Unterbruch, Wechsel oder Abschluss einer Ausbildung,
- Trennung, Scheidung oder Änderung der elterlichen Sorge,
- Umzug des Kindes oder eines Elternteils,
- Aufnahme oder Aufgabe einer Erwerbstätigkeit des anderen Elternteils,
- Wechsel von Arbeitgeber, Beschäftigungskanton oder Pensum,
- Wegzug des Kindes ins Ausland.
Zu Unrecht bezogene Leistungen müssen zurückerstattet werden. Ein sauberer HR-Prozess erinnert Mitarbeitende deshalb bereits beim Eintritt und bei jeder Ausbildungsbestätigung an ihre Meldepflicht.
Was gilt bei Krankheit, Unfall oder unbezahltem Urlaub?
Der Anspruch entsteht und erlischt grundsätzlich mit dem Lohnanspruch. Bei Arbeitsverhinderung wegen Krankheit oder Unfall werden Familienzulagen nach den offiziellen AHV/IV-Informationen jedenfalls im Eintrittsmonat und während der drei folgenden Monate weiter ausgerichtet. Für gesetzliche Urlaube gelten eigene Fortzahlungsregeln.
Bei längerem unbezahltem Urlaub, ausgeschöpfter Lohnfortzahlung oder einem Statuswechsel sollte der Arbeitgeber die Familienausgleichskasse einbeziehen. Pauschale Weiterzahlungen ohne Anspruchsabklärung können später zu Rückforderungen führen.
Können Familienzulagen rückwirkend verlangt werden?
Ein Anspruch kann grundsätzlich rückwirkend geltend gemacht werden, jedoch höchstens für die fünf Jahre vor der Anmeldung. Arbeitgeber sollten verspätete Anträge deshalb nicht selbst ablehnen, sondern vollständig an die Familienausgleichskasse weiterleiten. Bewilligte Nachzahlungen müssen im Lohnkonto und in der FAK-Abrechnung nachvollziehbar verbucht werden.
Wie werden die Zulagen finanziert?
Arbeitgeber entrichten auf den AHV-pflichtigen Löhnen Beiträge an ihre Familienausgleichskasse. Der Beitragssatz variiert nach Kanton und Kasse. Arbeitgeber müssen sich in jedem Kanton, in dem sie einen Geschäftssitz oder eine Zweigniederlassung mit Personal führen, einer dort tätigen Familienausgleichskasse anschliessen – auch wenn aktuell keine Mitarbeitenden Kinder haben. Im Kanton Wallis beteiligen sich auch Arbeitnehmende an der Finanzierung.
Häufige Fehler in der Praxis
- Familienzulagen werden als automatisch behandelt und gar nicht angemeldet.
- Der Anspruch des anderen Elternteils wird nicht abgeklärt.
- Eine Ausbildungszulage läuft ohne aktuelle Ausbildungsbestätigung weiter.
- Wohnkanton, Arbeitskanton und zuständige Kasse werden verwechselt.
- Mutationen erreichen die Lohnbuchhaltung erst Monate später.
- FAK-Abrechnung, Lohnkonto und ausbezahlte Zulagen werden nicht abgestimmt.
- Bei mehreren Arbeitgebern wird die Zuständigkeit nicht geklärt.
Checkliste für Arbeitgeber
- Bei jedem Eintritt nach Kindern und möglichem Anspruch fragen.
- Antragsformular und erforderliche Nachweise vollständig einfordern.
- Erwerbstätigkeit des anderen Elternteils und Wohnsitz des Kindes erfassen.
- Antrag an die zuständige Familienausgleichskasse weiterleiten.
- Nur bewilligte Beträge mit korrektem Start- und Enddatum einrichten.
- Ausbildungsnachweise und Kontrolltermine überwachen.
- Mutationen sofort an Kasse und Lohnbuchhaltung melden.
- Lohnkonto, Auszahlung und FAK-Abrechnung regelmässig abstimmen.
Wie Familienzulagen zusammen mit AHV, ALV, BVG und Unfallversicherung auf der monatlichen Abrechnung erscheinen, zeigt der Ratgeber zur Lohnabrechnung in der Schweiz. Für ausländische Mitarbeitende ergänzt der Beitrag zur Quellensteuer für Arbeitgeber den Lohnprozess.
KMV unterstützt KMU bei Lohnläufen, Sozialversicherungen, Familienzulagen und der Abstimmung mit der Finanzbuchhaltung. Beratung anfragen.